Grundsätzlich stammen fast alle Rohkaffees aus wenigen Hauptarten, die sich über Jahrhunderte an unterschiedliche Höhenlagen, Klimazonen und Anbaubedingungen angepasst haben. Innerhalb dieser Arten existieren zahlreiche Sorten und Kultivare, die bestimmen, wie dicht eine Bohne ist, wie sie auf Hitze reagiert und wie stabil sie sich im Röster verhält. Für dich als Röster ist das entscheidend, weil diese Eigenschaften direkten Einfluss auf Energiezufuhr, Luftmanagement und Entwicklungszeit nehmen.
Das Wichtigste zusammengefasst
Wenn du Kaffee besser rösten willst, hilft es, die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Art, Sorte und Röstverhalten klar zu verstehen.
- Kaffeearten und Sorten bestimmen Struktur, chemische Zusammensetzung und Röstverhalten stärker als Herkunft allein.
- Arabica, Canephora, Liberica und Excelsa bringen jeweils eigene Anforderungen an Energie, Kurvenführung und Entwicklungszeit mit.
- Sorten und Varietäten erklären, warum sich selbst Kaffees derselben Art im Röster sehr unterschiedlich verhalten.
- Dichte und Feuchtigkeit sind chargenspezifisch und wichtiger als pauschale Annahmen über die Kaffeeart.
- Frühe Energie, Anstiegsgeschwindigkeit und Entwicklungszeit müssen an Art und Sorte angepasst werden.
- Kürzere Entwicklungen erhalten Aromatik, längere Entwicklungen fördern Körper und Süsse.
- Mischungen funktionieren dann gut, wenn Arten und Sorten gezielt kombiniert werden, um Eigenschaften auszugleichen.
- Ziel beim Rösten ist nicht Vereinheitlichung, sondern das kontrollierte Herausarbeiten der natürlichen Unterschiede.
Arten, Sorten und Varietäten
Arten
Wenn du Rohkaffee auswählst, arbeitest du immer mit einer konkreten botanischen Grundlage. Die kommerziell relevantesten Arten sind:
- Coffea arabica
- Coffea canephora (als Robusta bekannt)
- Coffea liberica
- Coffea excelsa (teilweise unter Liberica eingeordnet)
Ergänzend tauchen neue Arten wie Stenophylla Kaffee auf, die aktuell noch selten sind, aber durch Klimaveränderungen zunehmend Beachtung finden.
Diese Arten unterscheiden sich deutlich in ihrer genetischen Struktur. Das wirkt sich aus auf Bohnengröße, Zellaufbau, Koffeingehalt und chemische Zusammensetzung.
Für dich als Röster bedeutet das, dass jede Art unterschiedlich auf Hitze reagiert und eine eigene Herangehensweise bei Trommeltemperatur, Energieeinsatz und Entwicklungszeit verlangt.
Wer Kaffeearten detailliert erklärt haben möchte, sollte nicht nur den Geschmack betrachten. Auch die Zubereitung der Kaffeearten beginnt bereits beim Rösten, weil Struktur und Zusammensetzung festlegen, wie löslich ein Kaffee später ist und wie stabil er sich extrahieren lässt. Genau hier wird Rösten planbar und lernbar.
Sorten (Kultivar)
Innerhalb einer Kaffeeart bestimmen Sorten, wie sich ein Rohkaffee konkret verhält. Bourbon, Typica, SL28, Gesha, Caturra, Catuaí und Sudan Rume gehören alle zur Art Arabica, unterscheiden sich jedoch deutlich in Ertrag, Widerstandsfähigkeit, Bohnengröße und Dichte.
Diese Eigenschaften entstehen durch gezielte Züchtung und Anpassung an bestimmte Anbauregionen.
Für dich als Röster erklären unterschiedliche Sorten, warum zwei Arabicas aus demselben Herkunftsland in der Trommel völlig verschieden reagieren. Eine dichte Bohne benötigt mehr Energie, eine locker strukturierte Sorte entwickelt sich schneller und verzeiht weniger Abweichungen.
Wenn du beginnst, Sorten bewusst wahrzunehmen, wird Rösten nachvollziehbar. Du lernst, Rohkaffee zu lesen, Prozesse gezielt zu steuern und Ergebnisse reproduzierbar zu machen. Dieses Verständnis ist unabhängig von Erfahrung oder Budget.
Rebsorten
Der Begriff Rebsorte stammt ursprünglich aus dem Weinbau und beschreibt dort eine klar abgegrenzte pflanzliche Herkunft.
Im Kaffee wird diese Bezeichnung zwar häufig verwendet, ist fachlich jedoch ungenau. Gemeint ist meist das Endprodukt aus einer einzelnen Sorte und nicht die botanische Einordnung selbst.
In der Praxis werden Rebsorte und Sorte oft synonym genutzt. Präziser sind jedoch die Begriffe Sorte oder Kultivar, da sie die genetische Linie innerhalb einer Kaffeeart klar benennen und Missverständnisse vermeiden.
1. Coffea arabica (Arabica)
Die Referenz für Spezialitätenkaffee
Arabica prägt den Spezialitätenmarkt, weil diese Art unter sehr unterschiedlichen Bedingungen angebaut wird und dadurch viele variable Eigenschaften mitbringt.
Anbau
Der Anbau erfolgt meist in höheren Lagen, wo kühlere Temperaturen das Wachstum der Kaffeekirschen verlangsamen. Das führt häufig zu dichteren Bohnen, wobei Dichte und Feuchtigkeit immer vom jeweiligen Lot abhängen. Höhe, Sorte, Nährstoffversorgung und Aufbereitung beeinflussen das Ergebnis stärker als die Art allein.
Geschmacksprofil
Geschmacklich deckt Arabica ein breites Spektrum ab, von floralen und teeähnlichen Eindrücken über Zitrus und Steinobst bis hin zu schokoladigen und karamelligen Noten. Wahrgenommene Säure, Klarheit und aromatische Tiefe sind zentrale Gründe, warum Arabica als Referenz gilt.
Röstverhalten
Beim Rösten reagiert Arabica sensibel auf Energie. Dichte, hoch gewachsene Kaffees benötigen oft einen aktiven Start, während porösere Chargen Zurückhaltung verlangen. Eine saubere Temperaturführung und eine bewusst gesteuerte Entwicklung helfen dir, Herkunft und Charakter zu erhalten. In der Übersicht aller Kaffeearten wird Arabica deshalb oft als Ausgangspunkt genutzt.
Chancen und Herausforderungen für Röster
Arabica bietet dir als Röster viel Spielraum, weil diese Art präzises Arbeiten direkt belohnt. Schon kleine Anpassungen bei Energiezufuhr oder Luftstrom können das Ergebnis spürbar verändern und Nuancen hervorbringen, die im Rohkaffee angelegt sind. Genau diese Reaktionsfreudigkeit macht das Arbeiten mit Arabica lehrreich und gut kontrollierbar.
Gleichzeitig liegt hier die grösste Herausforderung. Es existiert kein allgemeingültiges Röstprofil, das auf alle Arabica Kaffees übertragbar ist. Unterschiede in Dichte, Sortenvielfalt und Aufbereitung erfordern, dass du jede Charge neu liest und dein Vorgehen anpasst.
Ein praktischer Ansatz für deinen Alltag ist, die Dichte nach Möglichkeit zu erfassen. Hochdichte Chargen profitieren oft von einer etwas kürzeren Entwicklung, um Säure zu bewahren und dennoch Süsse aufzubauen. Dieses Vorgehen hilft dir, reproduzierbar zu arbeiten und gezielt Geschmack zu steuern.
Bourbon Kaffee
Anbau
Bourbon Kaffee zählt zu den grundlegenden Arabica Sorten und geht auf frühes Pflanzenmaterial aus dem Jemen zurück, das auf der Île Bourbon dem heutigen Réunion weiterentwickelt wurde. Im Anbau gilt Bourbon als vergleichsweise ertragsarm.
Geschmacksprofil
Geschmacklich zeigt sich Bourbon meist rund und ausgewogen. Häufig findest du Noten von roten Früchten, Steinobst, Karamell und Schokolade. Die Säure ist klar vorhanden, wirkt jedoch weicher und besser eingebunden als bei vielen Sorten mit Typica Abstammung. Genau diese Balance macht Bourbon für viele Röster attraktiv.
Röstverhalten
Im Röster verhält sich Bourbon gleichmässig und gut vorhersehbar. Die Bohnenstruktur erlaubt dir eine flexible Entwicklungszeit, abhängig davon, ob du Frucht oder Süsse stärker betonen möchtest. Eine zu lange Entwicklung verschiebt den Fokus jedoch schnell in Richtung Süsse und reduziert die Fruchtklarheit.
Heirloom-Kaffee Sorten
Anbau
Viele dieser Pflanzen wachsen in höheren Lagen in halbwilden Beständen. Selbst innerhalb einer einzelnen Partie können sich deutliche Unterschiede in Bohnenstruktur und Reifegrad zeigen, was diese Kaffees besonders abwechslungsreich macht.
Geschmacksprofil
Im Geschmack zeigen sich Heirloom Kaffees oft sehr aromatisch. Häufig treten florale Eindrücke, Zitrusfrüchte, Steinobst und Beeren auf, begleitet von einer teeähnlichen Textur. Der konkrete Ausdruck hängt stark von Mikroklima, Auswahl und Verarbeitung ab, weshalb jede äthiopische kaffee sorte ihren eigenen Charakter mitbringt.
Röstverhalten
Beim Rösten bringen Heirloom Partien häufig eine hohe Dichte und ausgeprägtes Säurepotenzial mit. Profile mit kontrollierter Energiezufuhr und einer bewussten Reduktion kurz vor dem ersten Crack helfen dabei, flüchtige Aromen zu erhalten.
Gesha Arabica Kaffeesorte
Anbau
Gesha stammt ursprünglich aus Äthiopien und wurde später vor allem in Panama sowie in anderen hochgelegenen Regionen kultiviert. Genetisch unterscheidet sich diese Sorte deutlich von Bourbon und Typica Linien und reagiert besonders sensibel auf Umweltbedingungen, Nährstoffversorgung und Aufbereitung.
Geschmacksprofil
Im Geschmacksbild zeigt sich Gesha sehr aromatisch mit floralen Eindrücken wie Jasmin und Orangenblüte, begleitet von Zitrusschalen, Bergamotte und einer feinen teeähnlichen Süsse. Der Körper wirkt im Verhältnis zur Intensität der Aromen eher leicht, was Klarheit und Transparenz in der Tasse unterstützt.
Röstverhalten
Beim Rösten zahlt sich Zurückhaltung aus. Eine lange Maillard Phase oder eine zu starke Entwicklung überdecken schnell die sortentypischen Eigenschaften. Profile mit sanfter Energie, geschützter Anfangsphase und klarer Struktur helfen dir, die flüchtigen Aromen zu bewahren und den Charakter sauber herauszuarbeiten.
SL28 Kaffee-Varietät
Anbau
SL28 wurde in Kenia gezielt wegen seiner Tassenqualität und seiner Toleranz gegenüber Trockenheit selektiert. Die Varietät ist eng mit klassischen kenianischen Profilen verbunden und wird heute auch in anderen Regionen angebaut, sofern Klima, Höhenlage und Bodenstruktur passen. Diese Anpassungsfähigkeit erklärt, warum SL28 außerhalb Kenias zunehmend Beachtung findet.
Geschmacksprofil
Geschmacklich zeigt SL28 eine klare, strukturierte Säure mit Eindrücken von schwarzen Johannisbeeren, roten Beeren und Zitrusfrüchten, ergänzt durch eine herzhafte Süsse. Die Wahrnehmung wirkt häufig saftig oder leicht weinartig, was diese Varietät innerhalb vieler Kaffeebohnen Sorten gut wiedererkennbar macht.
Röstverhalten
Beim Rösten bringt SL28 meist eine hohe Dichte und ein starkes Säurepotenzial mit. Eine aktive frühe Energiezufuhr unterstützt die innere Entwicklung der Bohne, während eine kontrollierte Entwicklungsphase hilft, Schärfe oder Trockenheit im Abgang zu vermeiden. So bleibt die Struktur klar und ausgewogen.
Sudan Rume Varietät
Anbau
Sudan Rume stammt ursprünglich aus dem Südsudan und wurde später unter anderem in Kolumbien weiter kultiviert. Die Varietät gilt als agronomisch anspruchsvoll und bringt vergleichsweise geringe Erträge, wird jedoch wegen ihres eigenständigen sensorischen Potenzials angebaut. Für Röster ist sie vor allem deshalb interessant, weil sie sich klar von bekannten Linien abhebt.
Geschmacksprofil
Im Geschmacksbild zeigt die Kaffeesorte Sudan Rume eine ausgeprägte Aromatik. Häufig treten florale oder kräuterartige Eindrücke auf, ergänzt durch eine vielschichtige Süsse sowie ungewöhnliche Frucht oder Gewürznoten.
Röstverhalten
Beim Rösten verlangt Sudan Rume ein präzises Vorgehen. Der Spielraum für Fehler ist gering, weshalb leichtere Profile meist die bessere Wahl sind. Eine zu lange Entwicklung nimmt schnell Klarheit und reduziert die Komplexität. Mit kontrollierter Energie und sauberem Timing lassen sich die sortentypischen Eigenschaften zuverlässig erhalten.
Caturra Kaffee
Anbau
Caturra ist eine natürliche Mutation der Bourbon Sorte, die ursprünglich in Brasilien entdeckt wurde. Durch ihren kompakten Wuchs lässt sich diese Varietät dichter pflanzen, was sie besonders für viele Anbaugebiete in Mittel und Südamerika attraktiv gemacht hat. Der Fokus liegt hier weniger auf maximalem Ertrag als auf gleichmäßiger Qualität und guter Kontrollierbarkeit im Anbau.
Geschmacksprofil
Im Geschmack zeigt sich Caturra meist klar und ausgewogen. Typisch sind Noten von Zitrusfrüchten, rotem Apfel, Karamell und dezenten floralen Eindrücken. Das Profil wirkt konsistent und gut strukturiert, was Caturra für viele Röster zu einer verlässlichen Grundlage macht.
Röstverhalten
Beim Rösten gilt Caturra als unkompliziert. Die Bohnenstruktur erlaubt einen breiten Röstbereich und reagiert stabil auf unterschiedliche Profile. Dadurch eignet sich diese Varietät sowohl für sortenreine Kaffees als auch für Mischungen, bei denen Ausgewogenheit und Wiederholbarkeit im Vordergrund stehen.
Brasilianischer Catuaí Kaffee
Anbau
Catuaí entstand aus einer Kreuzung von Mundo Novo und Caturra mit dem Ziel, stabile Erträge und eine höhere Widerstandsfähigkeit zu erreichen. Die Varietät ist heute in vielen Ländern Lateinamerikas verbreitet und spielt dort eine wichtige Rolle im Anbau, weil sie zuverlässig wächst und gleichmässige Rohkaffees liefert.
Geschmacksprofil
Im Geschmacksbild zeigt sich Catuaí meist nussig und schokoladig mit moderater Säure und gut eingebundener Süsse. Er wird häufig wegen seiner Zugänglichkeit gewählt und weniger wegen extremer Aromaausprägungen. Genau das macht ihn für viele Röststile interessant, besonders wenn Balance im Vordergrund steht.
Röstverhalten
Beim Rösten verträgt Catuaí eine etwas längere Entwicklung, ohne an Struktur zu verlieren. Das prädestiniert ihn für mittlere Röstungen und espressoorientierte Profile, bei denen Körper und Süsse wichtig sind. Innerhalb der verschiedenen Kaffeesorten gilt Catuaí als verlässliche Grundlage für konstante Ergebnisse.
2. Coffea canephora (Robusta)
Struktur, Körper und Intensität
Anbau
Canephora wird oft unterschätzt, ist jedoch deutlich vielfältiger, als viele annehmen. Dichte und Feuchtigkeitsgehalt variieren stark je nach Herkunft, Höhenlage und Aufbereitung. Zahlreiche Canephora Lots bewegen sich im gleichen Dichtebereich wie Arabica, einzelne Arabica Sorten liegen sogar darüber. Für dich als Röster bedeutet das, dass Verallgemeinerungen wenig hilfreich sind.
Geschmacksprofil
Geschmacklich wird Canephora häufig mit Bitterkeit oder Erdigkeit verbunden. Hochwertige Qualitäten zeigen jedoch auch schokoladige, nussige oder würzige Eindrücke und teilweise fruchtige Nuancen. Typisch sind ein kräftiger Körper, eine geringere wahrgenommene Säure und ein höherer Koffeingehalt. In der Einordnung von Kaffeesorten erweitert Canephora damit das sensorische Spektrum deutlich.
Röstverhalten
Beim Rösten zeigt sich Canephora strukturell belastbar und verträgt höhere Anfangstemperaturen. Eine zu lange Entwicklung verstärkt jedoch Bitterkeit und Trockenheit, da der Gehalt an Chlorogensäuren höher ist. Erfolgreiche Profile setzen auf eine aktive Trocknungsphase mit früher Energie und eine kontrollierte Entwicklung, die Süsse fördert und Klarheit erhält.
Canephora in Mischungen
Bei der Verwendung von Canephora in Mischungen geht es weniger um richtig oder falsch, sondern um das gewünschte Ergebnis in der Tasse. Canephora kann gezielt eingesetzt werden, um Struktur, Extraktionsverhalten und Mundgefühl zu beeinflussen. Entscheidend ist, wie sich die Mischung im Alltag verhält und was du sensorisch erreichen möchtest.
Ein Anteil von etwa fünf bis fünfzehn Prozent bringt mehr Körper, Süsse und Crema, ohne den Gesamteindruck zu dominieren. Bereiche zwischen 20 und 30 Prozent sind typisch für viele klassische Espressomischungen nach italienischer Prägung. Höhere Anteile ab 30 Prozent oder mehr sind in vielen Märkten gefragt und ergeben kräftige, gut lösliche Espresso oder Filterprofile.
Wenn du die Kaffeesorten Arten bewusst kombinierst, wird Canephora zu einem funktionalen Werkzeug. Die Mischung lässt sich gezielt steuern, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Genau dieser Ansatz macht das Arbeiten mit Blends nachvollziehbar und gut reproduzierbar.
3. Coffea liberica & excelsa
Selten, aber charakterstark
Anbau
Liberica zeichnet sich durch grosse, unregelmäßig geformte Bohnen aus. Excelsa, die häufig innerhalb der Liberica-Art geführt wird, stammt aus wenigen Anbaugebieten in Südostasien und Teilen Afrikas. Die geringe Verfügbarkeit und die oft kleinen Lots führen zu deutlichen Unterschieden in Dichte, Feuchtigkeitsgehalt und Aufbereitung. Für dich als Röster bedeutet das, dass Vergleichswerte aus dem Arabica-Bereich nur eingeschränkt übertragbar sind.
Geschmacksprofil
Sensorisch bewegen sich Liberica und Excelsa deutlich ausserhalb klassischer Erwartungshaltungen. Liberica kann florale, holzige oder rauchige Noten zeigen, ergänzt durch reife Fruchtaromen. Excelsa wird häufig von einer markanten, fruchtbetonten Säure geprägt, mit Anklängen an säuerliche Früchte, Trockenfrüchte und eigenständige, teils ungewöhnliche Aromastrukturen. Körper und Intensität wirken oft präsent, jedoch weniger ausgewogen als bei Arabica.
Röstverhalten
Im Röstprozess weichen Liberica und Excelsa deutlich von etablierten Arabica-Annahmen ab. Bei zu hoher Einwurftemperatur besteht die Gefahr von Oberflächenverbrennungen, während eine überzogene Entwicklungszeit zu Trockenheit führen kann. Erfolgreiche Röstungen arbeiten mit sanfter Energiezufuhr zu Beginn, klarer Kontrolle während der Maillard-Phase und einer bewusst kurz gehaltenen Entwicklung, um Struktur und Aromatik zu bewahren.
Chancen und Herausforderungen für Röster
Liberica und Excelsa eröffnen dir die Möglichkeit, abseits etablierter Profile zu arbeiten und gezielt Neugier zu wecken. Gerade für saisonale Veröffentlichungen oder Bildungsformate eignen sich diese Kaffees gut, weil sie Gespräche anstoßen und Wissen erlebbar machen. In der Themenwelt des Kaffeeröstens erweitern sie den Blick auf das, was jenseits von Arabica und Canephora möglich ist. Gleichzeitig bringen sie klare Herausforderungen mit sich. Das Angebot ist begrenzt, die Lots unterscheiden sich teils stark und das Röstverhalten ist weniger vorhersehbar. Standardprofile greifen hier selten, weshalb Erfahrung und Beobachtung eine grössere Rolle spielen. Ein sinnvoller Ansatz ist, diese Kaffees wie experimentelle Chargen zu behandeln. Starte mit zurückhaltender Energie, teste mehrere Entwicklungsendpunkte und arbeite dich schrittweise an das optimale Profil heran. So gewinnst du Sicherheit und kannst das Potenzial gezielt ausschöpfen.
Praktische Denkanstösse zum Rösten der verschiedenen Arten
Beim Rösten lohnt es sich, jede Charge als eigenständige Ausgangsbasis zu betrachten. Dichte und Feuchtigkeitsgehalt sind keine festen Eigenschaften einer Art, sondern variieren von Lot zu Lot. Wenn du diese Werte messen kannst, erhältst du eine deutlich bessere Entscheidungsgrundlage als durch die Einordnung nach Herkunft oder Art allein
Auch die gewählte Chargentemperatur sollte sich an der Bohnenstruktur orientieren. Dichte Bohnen benötigen meist mehr Energie zu Beginn, um gleichmäßig durchzuheizen. Weniger dichte Chargen reagieren sensibler und profitieren von einem zurückhaltenderen Start, um Oberflächenreaktionen zu vermeiden.
Achte auf:
Die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs beeinflusst den gesamten Verlauf. Arabica reagiert gut auf feinfühlige Steuerung, Canephora erlaubt eine stabilere Struktur in der Anfangsphase, während Liberica und Excelsa sanftere Kurven bevorzugen. Die Entwicklungszeit entscheidet darüber, ob Aromen klar bleiben oder ob Körper und Süsse stärker in den Vordergrund treten.
Bewusstes Mischen kann helfen, Eigenschaften auszugleichen und Profile zu stabilisieren. Zusätzlich lohnt es sich, die Kaffees bei unterschiedlichen Trinktemperaturen zu probieren. Viele artspezifische Unterschiede zeigen sich erst beim Abkühlen und liefern wertvolle Hinweise für zukünftige Röstungen.
Die Kaffeeart legt das grundlegende Potenzial fest, doch erst das Verständnis für das Verhalten der einzelnen Sorten schärft deinen Ansatz beim Rösten. Jede Entscheidung am Röster übersetzt Eigenschaften des Rohkaffees in ein konkretes Tassenprofil. Genau hier entsteht der Zusammenhang zwischen Herkunft, Struktur und dem Ergebnis, das du später schmeckst.
Wenn du die biologischen Rahmenbedingungen eines Kaffees kennst, entwirfst du Profile mit klarer Absicht. Anstatt jedem Lot ein starres Schema aufzuzwingen, arbeitest du mit dem Material und nicht dagegen. Unterschiede werden nicht geglättet, sondern gezielt herausgearbeitet und nachvollziehbar gemacht.
Roast Rebels unterstützt dich dabei, diese Zusammenhänge zu verstehen und praktisch anzuwenden. Ziel ist es, dir Sicherheit im Umgang mit Rohkaffee zu geben und Rösten als lernbares Handwerk greifbar zu machen. So entsteht Kontrolle, ohne Kreativität einzuschränken.
Cultivar: Ein praktischer Leitfaden für Kaffeeröster Wie stark beeinflusst die Varietät den Röstprozess und den Geschmack von Kaffee? Lange Zeit standen Terroir und Aufbereitung im Mittelpunkt der Diskussion, während die Varietät oft vernachlässigt wurde. Dieses Buch stellt diese Sichtweise infrage und bietet eine detaillierte Untersuchung darüber, wie genetische Unterschiede den Geschmack und das Röstverhalten von Kaffee prägen. Der Autor, Rob Hoos, widmete 606 Tage rigoroser Experimente diesem Thema. Er führte 309 Röstungen mit 31 verschiedenen Kaffees von sechs Farmen in vier verschiedenen Ländern durch. Mit 16 Jahren Rösterfahrung und 12 Jahren als Kaffeeberater ist dieses Buch das Ergebnis seiner praktischen Forschung, Verkostungen und Analysen. Es dient als praktisches Hilfsmittel für Kaffeeröster, die ihre Herangehensweise verfeinern, die spezifischen Röstbedürfnisse verschiedener Varietäten verstehen und ihr Handwerk auf die nächste Stufe heben möchten. Produktdetails: Autor: Rob Hoos Titel: Cultivar: A Practical Guide for Coffee Roasters Sprache: Englisch Seitenzahl: 57 Veröffentlichungsdatum: März 2025 ISBN: 9798218622121
Das Buch Green Coffee: A Guide for Roasters and Buyers ist eine umfassende Informationsquelle über Rohkaffee. Auf 179 Seiten gibt es einen tiefen Einblick zu ungeröstetem Kaffee und den grossen Einfluss von der rohen Kaffeebohne auf die Qualität des Endprodukts. Das Buch beleuchtet Geschichte, Verarbeitungsmethoden, Beschaffungspraktiken, Analyse, Röstung und vieles mehr. Anhand aktueller Forschungsergebnisse, Experimente, Zusammenarbeiten und persönlicher Erfahrungen erklärt der Autors Chris Kornman die einzelnen Schritte im Prozess, die es für aussergewöhnlichen Kaffee braucht. Obwohl es ein analytisches Buch mit viel Theorie ist, ist es verständlich und unkompliziert geschrieben. Der Autor Chris Kornman ist ein erfahrener Kaffeequalitätsspezialist, Forscher, Autor und Leiter der Ausbildung bei The Crown: Royal Coffee Lab and Tasting Room in Oakland, Kalifornien. Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen im Coffee Grading, Rösten, Beschaffung, ist Reisender und Tüftler. Das Buch ist nur auf Englisch erhältlich. 179 Seiten. Wir empfehlen diesen unverzichtbaren Leitfaden sowohl Fachleuten der Kaffeebranche sowie ambitionierten Heimröster:innen, die mehr über Rohkaffee lernen wollen. ISBN: 978-0-9987717-4-8
Rob Hoos ist einer der bekantesten Röster und Kaffee-Trainer zur Zeit. Ursprünglich als Heimröster begonnen, röstet er seit 2009 Kaffee professionell. Zur Zeit als Director of Coffee bei Nossa Familia in Portland. Zudem ist er Berater für Kaffee, Trainer und gibt online und offline Kurse. Im Buch geht es darum, wie sich die änderung des Röstprofils eines bestimmten Kaffees auf den Geschmack des Kaffees in der Tasse auswirkt. Durch die Unterteilung des Röstprozesses in fünf relativ unabhängig voneinander kontrollierbare Abschnitte, untersucht Rob die Mechanismen, die hinter der Aromaentwicklung stehen. Das Buch geht praxisnah auf die Frage ein, welche Phase der Röstung welchen Einfluss auf den Geschmack hat und wie man so den Geschmack des eigenen Kaffees beeinflussen kann. 64 Seiten. Das Buch ist in Englisch. ISBN: 978-0-692-41770-6